Wie das Wort „Impfung“ junge Menschen nicht mehr loslässt

09:34 Uhr, ich sitze im Auto. Warme Sonnenstrahlen piksen auf meiner Haut. Meine Hände schwitzen ein bisschen. Ich schau dauernd auf die Uhr. 09:36 Uhr, nach einem kurzen Wimpernschlag 09:40 Uhr. Ein bisschen nervös bin ich schon. 10:00 Uhr ist der Termin, der Impftermin.

So oder ähnlich fühlt sich wohl jeder, der die Möglichkeit hat, sich gegen das Corona-Virus impfen zu lassen. Aber warum?

Das liegt wohl mehr oder weniger daran, dass es jeden Tag neue Informationen zu den zugelassenen Impfstoffen gibt. Auch Kinder und Jugendliche sind verunsichert. Man stellt sich Fragen wie: Wann sind Kinder und Jugendliche dran? Brauche ich eine Impfung? Mit welchem Risiko ist das Impfen verbunden? Ist AstraZeneca so gefährlich für mich und was ist mit den anderen Impfstoffen?

Vielleicht sollten wir uns mehr fragen: Wieso impfen wir eigentlich? Impfungen sind grundsätzlich dazu da, um uns vor Krankheiten zu schützen. Viele Menschen wissen gar nicht wie eine Impfung funktioniert. Deswegen hier eine stark vereinfachte Erklärung:  Bei einer Impfung werden abgeschwächte Fremdkörper (bspw. Virenmaterial) dem Körper zugeführt. Unsere Zellen erkennen diese an spezifischen Markern und senden ein Signal. Dadurch wird ähnlich wie beim Domino eine Abwehrreaktionskette ausgelöst. Verschiedene Arten von Zellen agieren zusammen. Manche zerstören die Krankheitserreger, andere merken sich das Aussehen dieser. Jenes führt dazu, dass später die echten Erreger schneller erkannt und bekämpft werden können. Für genauere Informationen, vor allem zu den derzeit zugelassenen Impfstoffen, empfehle ich euch diesen Beitrag von Quarks, einem Wissensformat vom Westdeutschen Rundfunk (WDR).

Im Grunde genommen schützt das Impfen uns bei einer echten Infektion mit einem Erreger, wie SARS-CoV-2, schwere Krankheitsverläufe zu bekommen. Das Risiko, sich danach zu infizieren, ist außerdem geringer. Derzeit sind Kinder und Jugendliche von den Impfmaßnahmen des Corona-Virus ausgenommen. Für diese Zielgruppe wurden bisher zu wenige Studien durchgeführt. Denn bevor ein Impfstoff für Kinder zugelassen wird, muss sich die Impfung für Erwachsene zuerst als sicher herausstellen. Dennoch könnte es bald eine Zulassung für Kinder ab 12 Jahren geben.

Die meisten Kinder und Jugendliche erkranken weniger häufig oder bekommen von ihrer Infektion gar nichts mit. Das Risiko zu erkranken, ist wohl um 44 Prozent geringer bei den unter 20-Jährigen. Das bestätigt eine Studie der wissenschaftlichen Fachzeitschrift JAMA Pediatrics, in der 42.000 Kinder und Jugendliche beteiligt waren.

Trotzdem wäre diese Altersgruppe am meisten benachteiligt, denn sie wären die, die am längsten eingeschränkt wären. Das ist ein riesiges Problem. Viele Kinder und Jugendliche leiden schon jetzt an der Desozialisierung und unter psychischen Problemen, was die Studie „Jugendliche fühlen sich durch Corona stark belastet und zu wenig gehört“ der Bertelsmann Stiftung aus dem März 2021 belegt. Vor allem Ältere im Alter von 16 bis 27 Jahren haben besonders viele direkte und indirekte Kontakte und brauchen diese auch.

Auch wenn es schon die Möglichkeit gäbe, sich als junger Mensch gegen das Corona-Virus impfen zu lassen, würde es jeder tun? Das Epidemiologische Bulletin des Robert-Koch-Instituts (RKI) bestätigt, dass etwas mehr als 90 Prozent der Kinder in Deutschland schon vor der Schuleingangsuntersuchung alle empfohlenen Schutzimpfungen erhielten. Also werden sich die meisten von ihnen wahrscheinlich schon impfen lassen, weil sie es aus dem Elternhaus nicht anders kennen. Außerdem zeigt sich trotz des vielen Misstrauens eine hohe Impfbereitschaft. Etwa 72,6 Prozent der Erwachsenen wollen sich auf jeden Fall impfen lassen mit den derzeit zugelassenen Impfstoffen, so steht es im 3. Report des Impfquoten Monitoring des RKI. Vor allem haben viele ein größeres Vertrauen gegenüber mRNA-Impfstoffen. Durch die hohe Bereitschaft von Erwachsenen würden sich sicherlich viele Kinder und Jugendliche auch impfen lassen wollen.

Trotzdem gibt es noch viele Fragen, die meist gar nicht oder nur teilweise beantwortet werden.

Durch zahlreiche Fehlinformationen auf alternativen Nachrichten-Formaten (u.a. auf Social-Media-Plattformen) werden insbesondere Jugendliche verunsichert, die sich eigentlich impfen lassen wollten. Falschinformationen sind beispielsweise, dass man von der Impfung unfruchtbar wird, was vor allem viele junge Frauen verunsichert. Hier seht ihr ein Video vom Südwestdeutschen Rundfunk (SWR), welches erklärt, weshalb ihr von der Impfung nicht unfruchtbar werden könnt.

Trotzdem gerät man schnell mit sich selbst in den Konflikt. Man stellt sich Fragen wie: Welche Folgen könnte eine Impfung für mich haben? Wen könnte ich anstecken, wenn ich mich nicht impfen lasse und mich infiziere? Sollte ich mich für mehr Freiheiten impfen lassen oder wäre das unfair gegenüber Anderen? Man wägt Vorteile und Nachteile für sich selbst und andere ab und kommt zu keinem richtigen Entschluss.

Wie sollen Kinder und Jugendliche auch so eine Entscheidung treffen, wenn weder Ärzt:innen, Politiker:innen und sämtliche Erwachsene sich absolut uneinig sind? Impfen, ein Wort das wohl in dieser Zeit jeden zum Nachdenken, Diskutieren und Debattieren anregt.

Dennoch habe ich meine Entscheidung getroffen. Um 10:00 Uhr war der Termin und trotz Nervosität war ich fest entschlossen das durchzuziehen. Also stellte ich mich an und legte meine Dokumente vor. Etwa 10 bis 15 Minuten später saß ich auch schon bei einer sehr netten Ärztin. Diese beantwortete alle meine Fragen. Alle Zweifel waren danach aus dem Weg geräumt.

An dieser Stelle an alle, die sich dieselben Fragen stellen, ihr seid damit nicht allein. Informiert euch und wägt eure eigenen Vor- und Nachteile ab. Das ist euer Körper und niemand anderes als ihr selbst kann darüber entscheiden.

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